Grundsätzlich ist Piercen, so von einer erfahrenen Fachkraft ausgeführt, ungefährlich. Die eventuell gefährlichen Stellen werden dann sowieso nicht durchstochen (z.B. die seitlich gelegenen Arterien in der Zunge)
Die eigentlichen Gefahren liegen stets in falschen Nachbehandlung und in unvorsichtigem Umgang mit dem Piercing, denn:
Ein Piercing ist kein Spielzeug! Wer sorglos damit umgeht kann sich das Leben nachhaltig erschweren. Man kann sich IMMER Infektionen zuziehen, es können IMMER Fremdkörper eindringen und zu Entzündungen führen, man kann IMMER hängenbleiben. Man kann Abszesse, Bauchhöleneiterungen etc. bekommen, die via OP geöffnet werden müssen, wenn man nicht rechtzeitig reagiert. Deshalb ist stets Vorsicht geboten. Wenn ein Problem auftritt, stets ersteinmal im Piercingstudio Deines Vertrauens nachfragen, denn oft macht man aus einer Mücke einen Elefanten. Ärzte raten fast immer gleich einmal dazu, das Piercing zuwachsen zu lassen, was aber nicht unbedingt sein muss. In jedem Fall bitte unbedingt Rat suchen!!!
Wir geben jetzt umfassend dazu Auskunft, was tatsächlich passieren kann und was Schauermärchen ist.
Die erste Gefahr liegt einmal bei einem sachunkundigen, unerfahrenen Piercer oder Arzt. Es ist ein Unterschied, ob jemand 3 Piercings pro Woche oder 20 pro Tag macht. Studios immer anschauen! Auf Sauberkeit achten. Hygienecheck lesen! Manchmal arbeiten Ärzte weit unhygienischer als Piercer, da offizielle, legitime Piercingstudios sehr schwere hygienische Auflagen bekommen, um offiziell piercen zu dürfen - sehr streng bemessene Standards entscheiden über Sein oder Nichtsein - das sollten auch bitte Eltern nicht außer Acht lassen, die ihr Kind zum Arzt Piercen schicken, da sie annehmen, dass dieser hygienischer arbeitet - den technischen Aspekt lassen sie oft außen vor, da - völlig richtiger Weise - stets die Gesundheit zuerst steht.
Hierzu ein guter Artikel aus einer Zeitschrift
Zungenpiercing:
Das sagenumwobenste Piercing von allen!
Q. Kann man bei einem Zungenpiercing den Geschmackssinn verlieren?
Oft werden wir gefragt ob durch ein Zungenpiercing die Geschmacksnerven verloren gehen können. Deshalb hier ein paar Infos über die Zunge: Die Zunge ist ein Muskel, an dessen Oberfläche sich so genannte Papillen befinden. Diese Papillen sind für den Tast- und Geschmacksinn verantwortlich. Die Zunge teilt sich in verschiedene Geschmacksregionen, wobei wir vier Geschmacksarten unterscheiden können:
- Bitter (hintere Zungenbereich)
- Sauer (hinten seitlich rechts+links)
- Salzig (Mitte seitlich, links+rechts)
- Süß (Zungenspitze)
Der Mensch hat ca. 7000 bis 9000 Geschmacksknospen. Die Lebensdauer der Geschmacksknospen beträgt nur etwa 5 bis 20 Stunden und die abgestorbenen Knospen werden laufend durch neugebildete ersetzt. Somit werden ein paar von den papillen kaputtgehen, was allerdings völlig bedeutungslos ist.
Q.: Gehen von einem Zungenpiercing die Zähne kaputt?
A.: Das hängt ganz von DIR ab. Oft gilt, v.a. bei Jugendlichen: so groß und so lang wie möglich, und so oft wie möglich herausstrecken und herumspielen, damit ja alle sehen, dass man eines hat. Allerdings ist für den problemlosen "Betrieb" eines Zungenpiercings eher das Gegenteil erforderlich. Zumindest die untere Kugel sollte klein sein, der Stecker eher kurz - dann kann man nicht draufbeißen und die Kugeln schlagen auch nicht so leicht gegen die Zähne. Wer sichergehen will, kann auch Kugeln/Stecker aus Kunststoff benutzen. Als Erstschmuck für das frische Zungenpiercing wird ein extralanger Barbell (Stift mit Kugeln an den Enden) gesetzt der sich im ersten Moment zwar viel zu lang anfühlt, aber notwendig ist, da die Zunge meistens durch die entstandene Verletzung anfängt anzuschwellen (manchmal auf das Doppelte ihres normalen Umfangs). Der verwendete Schmuck muss also die einige Tage andauernde Schwellung des Zungenmuskels ausgleichen. Nach vollständiger Abheilung wird der lange Barbell gegen einen kürzeren getauscht, bzw. bei Verwendung von Teflonsteckern schon lang vorher gekürzt. Somit ist eigentlich jede Gefahr gebannt.
Augenbrauenpiercing:
Q.: Kann ein Augenbrauenpiercing rauswachsen?
A.: Das hängt von Dir und Deinem Glück ab. Wenn ein gerader Metallstecker benutzt wird, auch vom Piercer - denn ein solcher Stecker spannt den Stichkanal über die Wölbung der Braue auf und somit wandern die Einstichstellen in den meisten Fällen immer weiter zusammen...
Wenn Du z.B. auf dem Gesicht schläfst oder Oma's Häkelpolsterüberzüge verwendest, an denen Du hängenbleibst, ist es umso wahrscheinlicher, dass Dein Augenbrauenpiercing herauswächst. Auch wenn Du so nicht aufpasst und hängenbleibst, bzw. dich daran anhaust, wird die Gefahr immer größer. Es kann - wie bei jedem anderen Piercing auch - sein, dass Dein Körper es generell abstößt. Das ist dann wahres Pech, denn oft kommt das nicht vor.
Nabelpiercing:
Q.: Kann mein Nabelpiercing rauswachsen?
A.: Leider ja. Wird es zu kurz gestochen, ist es umso wahrscheinlicher. Deshalb anfangs lieber ein bisschen länger stechen, dann kann es ruhig ein Stück rauswachsen und wenn es stehenbleibt, passen normal erhältliche Stecker meistens gut.
Natürlich sind auch gewisse, von Dir abhängige Faktoren ausschlaggebend:
- Wer nicht aufpasst und oft hängenbleibt, ist selbst schuld!
- Wer mehr Speck am Leibe trägt, als für ein Nabelpiercing gut ist, sollte besser davon Abstand nehmen. Der Stecker steht dann meist nach vorne, die Kugel ist kaum sichtbar, das Piercing wird zwischen den Röllchen gewalkt und gequetscht und der Stecker bleibt besonders leicht hängen. Das alles sind Faktoren, sie ein herauswachsen begünstigen!
- Üppiger Schmuck lädt, je nach Beschaffenheit Deines Bauches, zum Hängenbleiben ein! Überlege deshalb vorher gut, ob Dr der Schmuck passt oder ob er lieber mit deinem Gürtel verbunden sein möchte als mit Dir!
- Falscher Schmuck kann auch oft zum Herauswachsen führen. Ist Dein Stecker zu kurz oder aus einem Material, das Du nicht verträgst, kann das üble Folgen haben!
- Falsche Pflege: abkleben, zuviel desinfizieren. Nichtbeachtung der Pflegehinweise. Falsche Pflegehinweise!
- Ungünstiger Körperbau: wenn die Knickfalte ungünstig am Nabel liegt, kann das eine Verheilung erschweren und somit u.U. zum Herauswachsen führen.
- Falscher Stich! Wird zu flach oder kurz gestochen, da man es nicht kann oder es nicht anders möglich ist (siehe Punkt 6), kann auch das ein Herauswachsen zur Folge haben.
Brustpiercing:
Q.: Kann mein Brustpiercing herauswachsen?
A.: Sofern es nicht im Hof der Brustwarze gestochen wird, wohl kaum. Die Brust ist ein sehr zähes Gewebe. Natürlich kann es über lange Zeit hinweg passieren, wenn keine richtige Verheilung erfolgen kann, aus welchen Gründen auch immer.
Q.: Kann ich, als Frau, Probleme mit dem Stillen bekommen?
A.: Nicht, dass wir wüssten. Wenn richtig gestochen wird, werden zwar ein paar Kanäle Deiner Milchdrüsen verletzt, was im schlimmsten Fall zum seitlichen Auslaufen von Milch führen kann, die Milchdrüsen ansich werden aber nicht in Mitleidenschaft gezogen.
Intimpiercings:
Wir stechen grundsätzlich nicht durch die Klitoris, da diese mit der Zeit überreizt und somit "taub" würde. Ansonsten sind Intimpiercings nicht mit mehr Gefahren verbunden als andere, wobei v.a. für das Venushügel/"Christina"-Piercing dasselbe gilt wie für den Nabel, und zwar verschärft.
Ohrknorpel-Piercings
Q.: Gehen beim Piercen meines Ohres Akupunkturpunkte kaputt?
A.: Ja. Allerdings hat das im Normalfall (Person gesund) keine Folgen, außer dass betreffende Akupunkturpunkte nicht mehr akupunktierbar sind. Störungen im Meridianbereich durch die Vernarbung sind möglich, lassen sich aber durch eine Narbenentstörung wegbekommen.